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| Alexej Meschtschanow, Das vollständige Porträt, 2007, Stahlrohr, SW-Fotografie, Glas, Lack, 96×128×36 cm |
I'LL NEVER SMILE AGAIN
Vom 26.Mai – 01.Juli 2012 zeigt die Sammlung Philara in der Ausstellung 'I’ll Never Smile Again' eine Auswahl von installativen und skulpturalen Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Alexej Meschtschanow. Der Ausstellungstitel – dem gleichnamigen Song Frank Sinatras entnommen – klingt wie eine der irrationalen Formeln der Postmoderne. Die Kunst hat die Kraft, Affekte und Desaster des Alltags zu artikulieren und dadurch zu bewältigen. In der festen Form eines komponierten Musikstückes kann das sonst rührselige 'I’ll-Never-Smile-Again' eine affirmative, positivierende, herausfordernde Strahlkraft erlangen.
Für seine Objekte hat Meschtschanow einen eigenen Weg der Repräsentation gefunden. Er unterzieht sie einer Operation, im Laufe derer den Gegenständen ein Korsett verpasst wird, welches sie vom Boden abhebt. Die Vorrichtungen, mit deren Hilfe er Stühle, Bänke, Schemel, Kinderbetten erhöht und aus ihrer irdischen Funktion entlässt, greifen die Formensprache des jeweiligen Stückes auf. Die hinzugefügten Gestelle scheinen sich, trotz ihres gewaltsamen Schraubgriffs, den Dingen anzuverwandeln. Dissonant fallen dabei die Gesten von Fürsorglichkeit und Misshandlung zusammen. «In Meschtschanows Objekten verhaken sich zwei Kommunikationsprinzipien ineinander: das Passive und das Aktive. Das Potential des einen hält jenes des anderen in Schach. Das Verhältnis reziproker Kontrolle zwischen dem alten und dem neuen Element kann einen Energiestau produzieren und so auch als Sinnbild expressiver Frustration fungieren.» (Oliver Kossack, Tubular Shells)
In einer Reihe von Wandarbeiten, wie z.B. bei 'Das vollständige Porträt', bilden Fotografien von Personen das Zentrum der Komposition. Sie werden von speziell entwickelten Metallzwingen an die Wand gepresst. Diese Zwingen üben einen entschiedenen Druck auf die Glasflächen aus, sodass sie einerseits nicht von der Wand rutschen können, andererseits in mehrere Stücke gesprengt werden. Das mit dem Glas verklebte Fotopapier hält nur mit Mühe die schweren Scherben zusammen. Die Blicke der Porträtierten dringen durch das Glassplitter-Ornament zu dem Betrachter hindurch. Meschtschanows Umgang mit der Bildsubstanz ist zwar destruktiv, trägt jedoch alle Merkmale einer konstruktiven Entscheidung – denn gerade diese zerstörerischen Halterungen sind dasjenige, was den Bildern erneute Aufmerksamkeit zukommen lässt. Mit den Worten von Robert Musil gesagt, handelt es sich gar nicht mehr um «Destruktionen» oder «Konstruktionen», sondern schlicht um «Struktionen». Damit gelangen wir in einen virtuellen, artifiziellen, wirklichkeitsfeindlichen Raum, der von festgehaltenen Kopien unserer Emotionen bevölkert wird. Das «struktive» Klima ordnender Nüchternheit lässt zwar ein richtiges Lächeln nicht zu, aber auch die Tränen austrocknen. So schwingt bei dem von Frank Sinatra gekonnt vorgesungenen Bekenntniss, nie wieder lächeln zu können, die Drohung, sich nicht mehr zum Weinen bringen zu lassen, mit.
http://www.klemms-berlin.com/de/alexejmeschtschanow/