Juckreiz

Friedrich Kunath

25.06.2016 - 11.09.2016
Eröffnung: 24.06.2016

Melancholische Sujets mit neonfarbigen Einbrüchen, die Tristesse einer Popkultur und die Reflexion der eigenen Künstlerperson sind wiederkehrende Themen in den gattungsübergreifenden Arbeiten Friedrich Kunaths.

Der Ausstellungstitel Juckreiz überbrückt mental die Distanz zweier Orte. Typographisch und phonetisch referiert der Titel auf die 1974 erschienene Platte Zuckerzeit der deutschen Krautrockband Cluster. Prominentester Song des Albums, Hollywood, ist gleichzeitig derzeitiger Wohnort Kunaths. Friedrich Kunath, 1974 in Deutschland geboren, erschafft somit einen biographischen Transfer zwischen seiner auditiven Erinnerung an Deutschland und seiner Wahlheimat Kalifornien.

Idealisierte Landschaften bilden die Kulissen für Kunaths Ikonographie bestehend aus Parfumflaschen, Spiegeleiern oder Nippes. Das Hinüberdenken an andere Orte mit Versatzstücken des Vertrauten leitet einen gepflegten Eskapismus ein. Dabei greift er auf Anleihen von Caspar David Friedrich oder Claude Lorraine zurück. Doch bevor man der Sehnsucht komplett erliegt, durchbricht er das Pittoreske mit Pointen. Im Elysium wird getagt Can't Have It All.
Auf sich selbst zurückgeworfen, sich der Tragödie des Lebens gewahr werdend, kristallisiert sich die Komik Kunaths heraus.
Ironisch melancholisch kreist Friedrich Kunath dabei immer wieder um die Topoi des Künstlerdaseins. Das klassische, in der Romantik geprägte Künstlerbild des einsamen, unsteten, geplagten Genies wird gleichermaßen bestätigt und persifliert.
I Need To Sleep transformiert ein essentielles Bedürfnis in eine Warenwerbung. Die Neonschrift über dunklem Wald erinnert sowohl an die Einsamkeit nächtlicher amerikanischer Großstädte als auch an die des deutschen Waldes. Das Video You Go Your Way And I ́ll Go Crazy folgt einem Künstler in die Erfolgsisolation seiner Midlife-Crisis. Beim Sport, ob Tennis oder Segeln, sein einziger Matchpartner und Matrose ist er selbst und seine Vergangenheit. In diesem Kontext erinnert das Boot, wiederkehrendes Symbol bei Friedrich Kunath und auch Titelmotiv der Ausstellung, an Lebensstufen (um 1834) von Caspar David Friedrich, bei dem es als Synonym für die Lebensdauer des Menschen auf dem Meer der Zeit verwendet wird.

Verstärkt wird dieses Thema in der Arbeit Just Don't Be Yourself. Comicfiguren, Emoticons und der Slogan Juckreiz erstrecken sich als Tapetenornament über die großformatige Leinwand. Eine scheinbar unendliche Aneinanderreihung, die auf klassische Figuren der Kulturgeschichte wie Sisyphus oder Prometheus verweist. Zurück bleibt ein ewiger Juckreiz, der nicht gelindert werden kann – die beste aller möglichen Welten ist stets die, in der wir nicht sind.