Tilo Baumgärtel und Nadin Maria Rüfenacht

10.09.2011 – 23.10.2011, Showroom 3.OG
Eröffnung: Donnerstag, 08.09.2011, 19.00 – 21.00 Uhr
01/17      liste   
Tilo Baumgärtel/ Nadin Rüfenacht, ohne Titel, 2011, 60 x 42 cm, Zeichnung, Collage
Tilo Baumgärtel/ Nadin Rüfenacht, ohne Titel, 2011, 60 x 42 cm, Zeichnung, Collage

Bummelnde Raketenträger

Unter diesem Oxymoron  präsentieren die Leipziger Künstler Tilo Baumgärtel und Nadin Maria Rüfenacht vom 10.09- 23.10.2011 ausgewählte Werke in der Sammlung Philara. Hier treffen ein jagendes Faultier und ein karibischer Eisbär auf Mädchen mit Penis und Klauengeschöpfe im Tutu.

Nadin Maria Rüfenacht, studierte Fotografin, collagiert kreatürliche Fragmente menschlicher, tierischer und pflanzlicher Formen zu grotesken Figuren. Dabei bedient sie sich ethnologischer, kunsthistorischer und enzyklopädischer Abbildungen, die bisweilen einem wissenschaftlichen Darstellungsversuch unterlagen, und montiert diese in einen zeitlich und gattungsversetzten Raum. Hierbei greift Rüfenacht auf ihr eigenes Œuvre zurück. In „At the end of the day“ befinden sich Kätzchenköpfe auf weiblichen Körpern aus Modemagazinen und tanzen/schweben auf Rampen und Bühnenelementen aus der Serie Voltaire von 2008. Darüber hinaus erinnert die türmende Architektur in „Goose Burn“ oder „Mad Robin“, um die sich die Hybriden ranken, an die ebenfalls 2008 entstandene Serie Le cirque de Jeanne, in der Rüfenacht gestapelte Tische und Hocker fotografierte und zirkusesk unter Titeln wie „acrobat“, „lion“ und „elephant“ präsentierte. Sowohl im Bildaufbau als auch inhaltlich geht der Zirkusverweis, das zur „Schau stellen“ skuriller Wesen, in der Inszenierung ihrer Collagen von 2011 nicht verloren.

Tilo Baumgärtels Bilder folgen ebenfalls einem theatralischen Bildaufbau.Detailreich konstruiert er „Staffagen“ aus Landschaft oder Architektur, vor diesen er seine Figuren agieren lässt. Assoziativ aufgeladen, stets ein wenig im Mystischen verhaftet, wirken seine Sujets und Figuren häufig verlassen. Hierfür wählt er Orte der Peripherie, einsame Landstraßen oder heruntergekommende Seitenstraßen, ihrer Funktion entlehnt, ins Nirgendwo führend. Die illustrative Wirkung seiner Bilder wird durch die Größe des Formats gebrochen. Narrative Zügen werden ebenfalls ad absurdum und somit ins Leere geführt.

Szeniastischer Bildaufbau und Wahl zu hybriden Figuren, deren Körper aus ihren ursprünglichen Kontext gerissen und neu zusammengesetzt oder in die Abgeschiedenheit der Welt entrückt wurden, verbinden die Werke Tilo Baumgärtels und Nadin Rüfenachts. Das Changieren zwischen Realität und Fiktion, Narration und Absurdität macht Bummelnde Raketenträger zu einer enthüllenden Maskerade.

 

(Text: Katharina Klang)

Öffnungszeiten: Samstags 14.00 - 17.30, Sonntags 14.00 - 16.00 und nach Vereinbarung unter info@philara.de

 

Wir danken der Galerie Kleindienst für die Zusammenarbeit.