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Black Flash
Jana Gunstheimer inszeniert Wirklichkeiten, in denen man nicht zu Hause sein möchte. Mit einem Geflecht aus Bildern, Installationen, scheinbar dokumentarischen Belegen und Objekten führt sie uns eine Welt vor Augen, die uns bekannt vorkommt, an die wir uns aber lieber nicht erinnern wollen.
In der Doppelausstellung „Black Flash“, die bei Philara und in der Galerie Conrads zu sehen ist, zieht sie uns auf das unwegsame Gelände der katholischen Kirche.
Wir sehen durch Angstzustände ausgelöste Erscheinungen bedrohlichen Inhalts, deren Veröffentlichung von der Kirche untersagt wurde. In der Arbeit „Licht, Feld und Störung“ stoßen auf dem Boden stehende, unheimlich aussehende Drucker massenhaft christliche Botschaften aus, denen der Auftraggeber abhanden gekommen zu sein scheint.
In einem Boxring treffen sich zwei katholische Priester zum „Kampf des Glaubens“.
Aufgrund ihrer Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit spielen Gunstheimers Arbeiten stets mit möglichen Realitäten, indem sie geschickt aktuelle Ereignisse aufgreifen und diese mit frappierender Logik ins Reich des Erfundenen weiterspinnen. In der Komplexität der Darstellungsebenen, auf denen sich Dokumentarisches mit Halbwahrem und Erfundenem mischt, stoßen archaisches Dorfleben, Dialekt und Aberglauben, Tradition und Volkskunst schroff auf die von Medien und Technik dominierte Realität des 21. Jahrhunderts.
Die Irritation, die sich im konzeptuellen Ansatz aus der Verschränkung von dokumentarischem und fiktivem Material ergibt, prägt auch die bildnerischen Werke.
Grafitzeichnungen, die bei flüchtiger Betrachtung an Fotografien erinnern, technische Geräte, die erst auf den zweiten Blick als aus Pappe gebaut zu erkennen sind, werden in der Ausstellung von Gunstheimer zu großräumigen Installationen verknüpft. Eine gefährliche Mischung, die, wie die Wirklichkeit vielfach gezeigt hat, sehr explosiv sein kann.
Pressebericht vom 07.04,2011, erschienen in der Kultiversum
Düsseldorf Jana Gunstheimer - Black Flash/Eiskaltes Licht Vor Jahren erfand Jana Gunstheimer die fiktive Organisation «Nova Porta», eine uferlose bildnerisch-fiktionale Struktur, der man im Internet als Mitglied beitreten konnte. Nun hat sie in Rom das höchst reale Pendant entdeckt: die katholische Kirche.
Beschreibung: Anlässlich eines Stipendienaufenthalts in der Villa Massimo machte sich Gunstheimer vergangenes Jahr an die Erkundung von Heiligengedenken voller Bilder und Skulpturen, in denen sich der Wunderglaube des katholischen Laientums in fantastischen wie absonderlichen Geschichten manifestiert, die über die Jahrhunderte von der Kirche gesammelt und verbreitet wurden. Gunstheimers schon umfassend in ihrem Nova Porta-Projekt und anderen Arbeiten erprobter Ansatz, Realität und Dokumentarisches mit Fiktionalem und Virtuellem zu mischen und schließlich in räumlichen Installationen «grenzenlos» auszubreiten, findet in den Bilderwelten der Andacht eine bemerkenswerte Entsprechung. In ihrer Düsseldorfer Doppelausstellung dokumentiert die ursprünglich als Ethnologin ausgebildete Künstlerin diese Bilderwelten in unterschiedlichsten Medien: Als zeichnerische Fiktionen zu den übersinnlichen Wahrnehmungen («Eiskaltes Licht»), raumfüllende Installation («Licht, Feld, Störung»), bei der obskure, scheinbar außer Kontrolle geratene PC-Drucker unablässig und wie auf «höheren» Befehl christliche Motive ausstoßen oder die zeichnerische Dokumentation einer Aktion, die die Künstlerin während ihres Villa Massimo-Aufenthaltes durchgeführt hat und bei der zwei Priester den Kampf des Glaubens als Boxkampf austrugen («Das stille Volk»). Jana Gunstheimers fiktionale Welten befremden stets auf den ersten Blick, und zugleich entwickeln sie einen unwiderstehlichen Sog in die Offenheit ihrer überaus realistisch wirkenden Struktur hinein. In seinem literarischen Grundansatz, der zeichnerischen Brillanz und dem Ausufern der Bilderwelten ist ihr Werk dem von Marcel van Eeden vergleichbar und wirkt in mancherlei Hinsicht kompromissloser und zugleich vielfältiger als dieses. Doch im Gegensatz zu van Eeden wartet Gunstheimer noch auf ihre erste große Einzelausstellung in Deutschland.