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| Aris Kalaizis, Das Ritual, 2008, Öl auf Leinwand, 150x180 cm |
Prall gefüllte Leerstellen zwischen Krisis und Kairos
Rituale - ein Plädoyer für Konventionen oder dagegen? Stagnation und Orientierungsvakuum als Chance oder Katastrophe?
Aris Kalaizis erzählt sie als Momente der Vertiefung, als Zentren eines Kaleidoskops von Möglichkeiten; vorwärts und rückwärts, in die Tiefe, nur weg vom Erwartbaren.
Christoph Worringer, der 2001 – 2006 an der Kunstakademie Münster studierte, gilt als einer der konsequentesten Vertreter der neuen deutschen figurativen Malerei. Der 34jährige Künstler stammt aus Krefeld und lebt heute in Düsseldorf. Aus dem reichen Bildfundus der Kultur, Kunst- und Zeitgeschichte, der Religion, Mythologie und Literatur schöpft Worringer seine eigene, sehr persönliche Ikonographie und verdichtet diese zu einer scheinbar "realistischen" und zugleich rätselhaften Bildwelt.
Aris Kalaizis Werke kreisen um ein Phänomen unserer visuellen Orientierung: wir glauben leicht, was wir sehen und verlassen uns auf dessen Wahrhaftigkeit. So bereitet die Irritation großes Unbehagen, wenn die vertraute Sehweise unterlaufen wird und ins Unerklärliche, nicht mehr Vorstellbare führt. Bequemlichkeit und Unbehagen zugleich – nicht nur am "Ritual" – bereiten die großformatigen Öl-auf-Leinwand-Arbeiten. Oberflächlich gegenständlich genau und gut lesbar, dann plötzlich an einer Stelle unheimlich, dann schon an der nächsten und so weiter. Die erschaute Szenerie erweitert sich nicht zur runden Geschichte, sie vertieft sich punktuell in sich selbst, in Fragen nach dem Vorher oder Nachher der betrachteten Momentaufnahme und endet vor einer Ungeheuerlichkeit. Semantische Bruchstellen opponieren gegen einen plausiblen Bildablauf. Kalaizis ist ein Virtuose solcher Brüche. Er bindet sie als Geste, als verweisendes Detail oder als zweite Ebene ein. Sie erscheinen als Lichtfall oder als grafisches Symbol mit fragwürdiger Herkunft, in Umkehrung, Verdopplung, Gegensatz und Schattenwurf. Von den so vertieften Bildelementen führen keine schlüssigen Referenzen zur Lösung, sondern nach allen Seiten – und ins Abseitige. Die Intervention der Zwischenfälle verbreitet im Bildablauf eine Melancholie, aber auch die Ahnung von der Unmöglichkeit bequemen Weitergehens, geläufigen Weiterdenkens - das Ritual ist zur Befragung bestellt.
In den Bildwelten Christoph Worringers erstarren die Figuren wie eingefroren in ihren Bewegungen. Dicht gedrängt füllen sie das Bildfeld, umgeben von greifbaren Gegenständen und einem glasklaren und tiefelosen Raum. So nah sich die Personen und Dinge kommen, so fremd und isoliert bleiben sie untereinander. Mit großer optischer Wucht führen Christoph Worringers Gemälde den Betrachter in ihre realistischen Welten, die sich hautnah in den Blick drängen. Und doch entsteht keine Handlung, und kein symbolischer Gehalt befreit die Figuren und Dinge aus ihrer kalten Isolation. Jedes Bild ist erfüllt von vielerlei Aussagen, die der Betrachter unausweichlich den sehr präsenten Motiven zuschreibt.