Ruprecht von Kaufmann

28.05.2009 – 05.07.2009, Showroom 3.OG
Eröffnung: Donnerstag, 28.05.2009, 19.00 – 21.00 Uhr
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Ruprecht von Kaufmann, Keep Out, Seidenmalfrabe und Acryl auf Seide, 140 x 210cm,  2009
Ruprecht von Kaufmann, Keep Out, Seidenmalfrabe und Acryl auf Seide, 140 x 210cm, 2009

Ruprecht von Kaufmann

Halbmast, Thanatose Utopiae

Vom 28. Mai bis 5. Juli 2009 werden bei Philara Sammlung zeitgenössischer Kunst in Düsseldorf neue Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Ruprecht von Kaufmann (geb. 1974) ausgestellt. Die Fahnenbilder schließen inhaltlich und formal an seine Gummibilder von 2007 an. Auch in den neuen Arbeiten kombiniert der Künstler Malerei mit Skulptur. In großformatigen Collagen vereinen sich unterschiedliche Stoffe. Zarte Tuschezeichnungen werden mit Seidenmalerei und transparenten Materialschichten zu kraftvollen Bildwelten voll dunklen Humors vereint. Unter wehenden Fahnen versammeln sich die Menschen und werden von ihnen mitgerissen. Das Banner gibt Zusammenhalt, inspiriert für die gemeinsame Sache Opfer zu bringen. Eine Armee ist erst verloren, wenn die Fahne in Feindeshand fällt. Die Fahne definiert eine Gruppe. Sie ist Ikone eines Wertesystems, das Gesicht einer angestrebten Utopie. Sie ist das Gesicht einer erträumten Zukunft. Die Fahnen sind Banner der verlorenen Utopie, Denkmäler für die tragische Komödie des Scheiterns. Sie sind von der Realität eingeholt. Sie haben sich auf Kompromisse eingelassen, sind faul geworden, eigennützig. Sie sehen schmutzig, alt und abgenutzt aus. Teilweise scheinen sie von Schimmel befallen. Sie sind nicht bunt, zeigen keine Farbfelder mit Wiedererkennungswert, sondern bewegen sich in der Grauzone. Sie haben zwei Gesichter, zwei Seiten. Statt klar leuchtenden, edlen Wappentieren beflecken düstere, undurchsichtige Schattenwesen, die aus Märchenbüchern und Comic-Heften verbannt scheinen, wie willkürliche Tintenkleckse den Seidenstoff. Die Fahnen werden ohne Mast gezeigt, der sie mit dem Boden verankert. Frei hängend scheinen sie im Ausstellungsraum zu schweben. Vor allem aber sind diese Fahnen in der Bewegung erstarrt. Ihr statisches Flattern ist nur Erinnerung an einen Phantomwind, der letzte Abdruck eines lang verloschenen Knatterns, Rauschens und Zerrens. Sie sind nur noch die Schatten der ständigen Veränderung. Zusätzlich zu der Serie Halbmast sind noch grossformatige Ölgemälde zum Thema des unerreichbaren Ideals Teil der Ausstellung. Im ‘kleinen Museum’ sind zudem die Entwicklungs- und Materialstudien für die Fahnenserie ausgestellt.


http://www.galerie-pfab.com/

Ruprecht von Kaufmann (Jg. 1974) schloss sein Studium der Malerei und Illustration am Center College of Design in Los Angeles 1997 mitAuszeichnung ab. Nach einigen Jahren in Los Angeles und New York lebt und arbeitet er seit 2003 in Berlin. Der Künstler wurde im November 2007 von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin mit dem großen Förderpreis ausgezeichnet, dem sich eine umfangreiche Einzelausstellung mit Katalog anschloss. Ruprecht von Kaufmanns Werke sind bereits in einigen der weltweit wichtigsten
Sammlungen vertreten.

 

Presse:

FAZ, 25. Juli. 2009, NR. 170, von Magdalena Körner

Gegenwartskunst

Dem Hasen im Sessel ist es nicht recht geheuer Ganz erstaunliche Malerei: In der Düsseldorfer Sammlung Philara ist ein monumentales Atelierbild Ruprecht von Kaufmanns zu sehen.

„Das Atelier, 8 Jahre aus meinem Leben als Herr Lampe“ von Ruprecht von Kaufmann, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, 220 mal 560 cm (28.000 Euro) 28. Juli 2009 2009-07-28 05:55:00 Wen die Ferien und die Schwüle dieses Sommers nicht davon abhalten, sich mit Kunst zu befassen - der wird in Düsseldorf mit einer malerischen Entdeckung belohnt: Im Ausstellungsraum der „Sammlung Philara“ zeigt der 1974 in München geborene, in Berlin lebende Maler Ruprecht von Kaufmann ein großformatiges Gemälde mit einem langen Namen. Es heißt „Das Atelier, 8 Jahre aus meinem Leben als Herr Lampe“, und es misst 2,2 mal 5,6 Meter. Wem Titel und Format bekannt vorkommen, der liegt richtig. Von Kaufmanns malerische Großtat hat ein berühmtes Vorbild: Gustave Courbets allegorisches Gemälde „Das Atelier“ aus dem Jahr 1855. Doch das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn während sich in Courbets Atelier das pralle Leben tummelt, scheint die Künstlerwerkstatt bei von Kaufmann ins schöpferische Vakuum gefallen. Gleichzeitigkeit der Perspektiven Die acht Jahre im Atelier sind Herrn Lampe schlecht bekommen: Zusammengesunken sitzt der Hase mit spitzen Knien im Sessel. Eine nackte Schöne, die hinter ihm steht, scheint mit einer Schere seine Ohren kappen zu wollen. Von rechts gräbt sich ein gewaltiger Schaufelbagger ins Bild - die Idylle im Salon ist eine fragile Angelegenheit. Und schon brandet von links eine Strandszene im Bild auf, die von phantastischen Gestalten bevölkert wird: ein Mann, aus dessen Hals ein Ast statt eines Kopfes wächst; ein Dicker, der seinen eigenen Arm verspeist; von oben stürzt sich eine Frau aus einem Boot in die Luft. Die Gleichzeitigkeit der Perspektiven ist ebenso typisch für Ruprecht von Kaufmann wie die Reflexion kunsthistorischer Topoi und das Andeuten skurriler Geschichten, die im Unbewussten nachhallen. Das wie durch eine staubige Scheibe gesehene, grau- und weißlastige Kolorit kontrastiert dabei mit der Fülle der Details. Es tönt im Diminutiv und verweist darin auf das Zeichnerische im Kern dieser Malerei. Die „Sammlung Philara“ des Kunstsammlers Gil Bronner ist der dritte im Bunde der privat initiierten Kunsträume in Düsseldorf, die die lokale Szene beleben. Neben der Sammlung von Julia Stoschek und dem von Zdenek Felix bespielten „Kai 10“ besetzt Philara seit April 2008 eine Nische zwischen Institution und Off-Raum. Das Gemälde kostet 28.000 Euro. Ruprecht von Kaufmann wird vertreten von den Galerien Rupert Pfab in Düsseldorf und Christian Ehrentraut in Berlin.

 Text: F.A.Z. Bildmaterial: Galerie Rupert Pfab